Detox für Dein Business: Frühlingskur planen

Beim Militär habe ich wirklich fürs Business gelernt. Im Rahmen einer Schiessübung mussten wir sinnlos 2.500 Schuss Munition verballern. Warum? "Wenn wir die Munition zurückbringen, bekommen wir das nächste Mal weniger", hiess es. Also haben wir 2.500 Schuss im Akkord irgendwo im Jura in den Hang verpulvert, damit es keine Kürzung gibt. Vielleicht schüttelst Du jetzt den Kopf, aber ist es in Deinem Unternehmen nicht manchmal auch so?
By Martin König 9 months ago
Business Detox

Lieber Leser,
wusstest Du, dass Arbeit sich genau in genau dem Mass ausdehnt, wie Zeit für ihre Erledigung zur Verfügung steht? Genau deswegen muss ein Leader Zahlen immer wieder aufs Neue überprüfen, wenn er effizient bleiben will.

Frage Dich zusammen mit Deinem Team: Was kann weggelassen werden? So kommst Du der Effizienz auf der Spur und vermeidest es, in der Parkinson-Falle zu landen.
Vielleicht denkst Du, dass in Deinem Unternehmen keine sinnlose Munition verballert wird und schüttelst den Kopf über das Militär. Doch bist Du dir ganz sicher? Immer und überall kann ich selbst heute noch im Business beobachten, dass die Parkinson-Falle zuschnappt.

Hast Du meinen letzten Blog gelesen? Zu ähnlichen Ergebnissen wie Ringelmann kam auch Cyril Northcote Parkinson. Er untersuchte die Entwicklung des Britischen Marineministeriums, das ursprünglich das gesamte britische Empire verwaltete.

Dabei stellte er fest:
Nach dem Zerfall des Empire verringerte sich die Mitarbeiterzahl des Ministeriums nicht: Organisationen neigen dazu, sich selbst zu beschäftigen. Parkinson ermittelte fünf Ursachen:

  1. Wie viel Zeit für eine Aufgabe benötigt wird, hängt von der verfügbaren Zeit ab.
    Die zur Verfügung stehende Zeit wird genutzt beziehungsweise verbraucht. Parkinson erläutert das am Beispiel einer Rentnerin, die einen halben Tag dafür benötigt, ihrem Enkel einen Geburtstagsgruss zu schreiben. Zunächst geht sie in ein Schreibwarengeschäft. Dort verbringt sie eine halbe Stunde mit dem Auswählen der Grusskarte. Dann überlegt sie sich zu Hause stundenlang nette Formulierungen. Anschliessend geht sie zum Postamt, wo sie zunächst alle Sondermarken sichtet, bevor sie endlich die Karte einwirft. Ein viel beschäftigter Manager erledigt die gleiche Aufgabe in drei Minuten.
  2. Wenn Menschen mitreden dürfen, dann tun sie das auch ausgiebig – gerade bei Bagatellsachen.
    Parkinson nennt hierfür folgendes Beispiel: Beim Bau eines Kraftwerks kann es vorkommen, dass in den Planungssitzungen das Thema „Wie soll das Kraftwerk konzipiert sein“ schnell abgehakt ist. Warum? Die anwesenden Manager und Politiker haben wenig Fachwissen. Stundenlang debattieren sie aber darüber, in welcher Farbe die Abstellhäuschen für die Fahrräder der Mitarbeiter gestrichen werden sollten.
  3. Die Zeit wird für das investiert, was wahrgenommen und belohnt oder sanktioniert wird.
    Beispiel: Organisationen oder Bereiche, die einer starken Kontrolle von aussen oder oben unterliegen, neigen dazu, relativ viel Zeit und Energie in Controlling- und Dokumentationsaufgaben zu investieren. Vergleichsweise wenig Zeit und Energie werden hingegen für die eigentlichen Aufgaben der Organisation oder des Bereichs aufgebracht.
  4. Macht, Prestige und Anerkennung sind oft an die Mitarbeiterzahl gekoppelt.
    In den meisten Organisationen bestimmt sich die Wertigkeit einer (Führungs-)Position nach der Zahl der Personen, die geführt werden. Also sind viele Führungskräfte bestrebt, ihre Mitarbeiterzahl zu erhöhen. Selten geben Führungskräfte freiwillig Personal ab, denn das würde als Verlust von Macht und Einfluss erlebt.
  5. Der Karrierewunsch der Nachwuchskräfte schafft neue künstliche Bedarfe und erhöht die Zahl der Mitarbeiter.
    In den meisten Organisationen gibt es mehr Nachwuchskräfte, die nach einer (gehobenen) Führungsposition streben, als durch die Fluktuation von Führungskräften (und das Wachstum des Unternehmens) entsprechende Positionen vakant werden. Also suchen die Nachwuchsführungskräfte neue Tätigkeitsfelder, die das Schaffen zusätzlicher Führungspositionen und das Einstellen neuer Mitarbeiter rechtfertigen.

Dein Königs-Weg: Frühlingskur

  1. Fördere Projekt- und Expertenlaufbahnen. Es gibt keinen Grund, weshalb ein guter Experte nicht genauso viel oder sogar mehr als ein Manager mit vielen Mitarbeitern verdienen sollte.
  2. Wenn du zum Beispiel topgestaltete PowerPoint-Präsentationen honorierst, „züchtest“ du unbewusst ganze Stäbe von Mitarbeitern, die vor Meetings tagelang Folien „malen“.
  3. Führe regelmässig Geschäftsprozessanalysen und -optimierungen durch. Jede Organisation neigt dazu, „Speck“ anzusetzen. Deshalb ist alle zwei, drei Jahre eine „Diät-Kur“ notwendig.
  4. Manchmal tut Detox gut. „Fordere“ deine Mitarbeiter auf, sich so zu organisieren, dass sie mit den verbleibenden Ressourcen auskommen. Oft werden so effizienzsteigernde Ideen geboren. Und wenn sich die Kürzungen als übertrieben erweisen? Dann kannst du wieder Ressourcen freigeben.

Alle diese Punkte gehen eng einher mit dem Prinzip “Führen mit Zahlen”. Häufig erlebe ich, dass selbst Führungskräfte Hemmungen haben, eine Zahl vorzugeben. Doch genau das lässt sich trainieren. Wenn Deine Mitarbeiter nicht wissen, dass sie zwei Stunden für eine Aufgabe zur Verfügung haben, solltest Du Dich nicht wundern, wenn sie zehn brauchen. Schnell machen sich Lethargie und Bequemlichkeit breit, wenn Mitarbeiter ihre Bringschuld nicht kennen.

Mein Tipp: Du musst nicht alle Änderungen allein schaffen, denn der Prophet im eigenen Land wird häufig verkannt. Hol Dir Hilfe von aussen, um die Unternehmensweichen langfristig auf Erfolg zu stellen. Gern unterstütze ich Dich dabei, Dein Business durch eine Detox-Kur zu verjüngen, überflüssige Aufgaben und Belastungen zu erkennen und abzuwerfen und mit Zahlen erfolgreich zu führen.

Herzliche Grüsse
Dein
Martin König

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Category:
  Strategie