Glückliche Mitarbeiter – eine Führungsaufgabe?

Während grösserer Projekte gibt es immer harte Zeiten, in denen Du auch mal fordernd sein musst, Spielverderber bist, Überstunden abverlangst und alle an die Leistungsgrenze bringst.
By Martin König 3 years ago

Lieber Leser,
was ist Deine Meinung: Gehören Business und Glücklichsein zusammen? In meinen Workshops und Seminaren wird dieses Thema sehr kontrovers diskutiert. Typische Aussagen sind:

  • „Wirtschaften heisst doch nicht Schmusekurs fahren!“
  • „Für sein Glück ist jeder selbst zuständig.“
  • „ Everybody´s Darling is everybody´s Depp”

Wer will schon everybody´s Depp sein, der es allen recht und jeden glücklich macht? Andererseits verbringen wir einen Grossteil unserer Lebenszeit im Büro, und ich kenne niemanden, der gerne freiwillig ununterbrochen mit schlecht gelaunten Nörglern, Kleindenkern und Miesmachern zusammen ist. Miesmacher sind selten glücklich.

Die Frage stellt sich nur: Was genau macht einen Menschen glücklich? Zu viel Konsum jedenfalls nicht. Jeder kennt die Situation, dass Kinder zu Geburtstagen und an Weihnachten so viele Geschenke bekommen, dass sie die Lust am Spielen verlieren. Wenn ich die zur Verfügung stehenden Belohnungsstrategien als Vater bewerten soll, dann weiss ich, dass sich Glück nicht mit Geschenken, Geld und Süssigkeiten erkaufen lässt. Damit zieht man lediglich verwöhnte und unselbstständige Menschen heran, in denen das innere Feuer erlischt. Menschen, die aus innerem Antrieb nichts Neues erschaffen wollen. Ich würde sogar behaupten, dass man so die Menschen unglücklich macht.

Glück als Überwindungsprämie

Im Sport ist das Glück eine Überwindungsprämie. Wenn Du morgens noch müde bist und Dir dennoch die Laufschuhe anziehst, um eine Runde zu joggen, musst Du den inneren Schweinehund mit allen Ausreden überwinden. Du musst die Zähne zusammenbeissen, Kälte oder Regen trotzen und brennende Muskeln ertragen. Doch während des Laufens kommen die Botenstoffe zum Zug, und Endorphine (Glückshormone) werden ausgeschüttet. Im Ziel angekommen, bist Du der stolze Sieger. Du spürst Zufriedenheit, Selbstwirksamkeit, Stolz und Glück! Die gleichen Gesetzmässigkeiten des Sports gelten auch in der Führung glücklicher Menschen.

Wer gearbeitet hat, darf feiern!

„Wer feiern kann, kann auch arbeiten“, sagt ein Sprichwort. Lass uns die Aussage umkehren, denn wer gearbeitet hat, der darf auch feiern!

Wenn ein schwieriges und langwieriges Projekt nach mehreren Monaten erfolgreich zum Abschluss kommt, ist es allerhöchste Zeit, Deinen Mitarbeitern einen Endorphin-Schub zu gönnen. Das Feiern setzt einen positiven Anker und erinnert jedes Teammitglied daran, dass die harte Arbeit sich gelohnt hat, dass sie gewürdigt, geschätzt und gesehen wird.

Während grösserer Projekte gibt es immer harte Zeiten, in denen Du auch mal fordernd sein musst, Spielverderber bist, Überstunden abverlangst und alle an die Leistungsgrenze bringst. Das ist okay, sofern Du die emotionale Überwindungsprämie, den Endorphin-Kick, die Zeit fürs Feiern und Glücklichsein, im Anschluss ausbezahlst.

Dienern dankt man, Helden feiert man!

Als Führungskraft ist es Deine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass Deine Helden (= Deine Mitarbeiter) und Eure gemeinsamen Erfolge nicht sang- und klanglos untergehen, sondern gebührend gewürdigt und gefeiert werden. Plane bewusst Raum dafür ein, Deine Mitarbeiter zu feiern, denn Probleme und Tiefschläge kommen im Geschäftsleben von ganz allein – sie benötigen einen Gegenpol. So viel Zeit muss sein! Diesen Gegenpol für Deine Mitarbeiter als Erfolgsritual einzuplanen und zu sichern ist Deine Führungsaufgabe!

DEIN KÖNIGSWEG: Feiern statt danken

So viel steht fest: Als Führungskraft musst Du auch mal beissen, durchhalten und hart sein! Es gehört zu Deinen Aufgaben, Disziplin und Leistung von Deinen Mitarbeitern einzufordern. Das gilt insbesondere in Krisenzeiten, in kritischen Projektphasen und bei wirtschaftlichen Zwängen. Stelle jedoch ebenfalls sicher, dass Deine Mitarbeiter ihre Überwindungsprämie, den Endorphin-Kick, erhalten und gefeiert werden, wenn es dazu Anlass gibt. Damit meine ich einen angemessenen und gemässigten Einsatz der Überwindungsprämie – ohne Übertreibung.

Es geht um die Geste und das Erfolgsritual, nicht um hohe Ausgaben: Eine Flasche alkoholfreier Prosecco kostet weniger als ein Kaffee im Restaurant. Eine Kiste Bier ist unbezahlbar, wenn sie dazu dient, nach einem Erfolg den Raum für gemeinsame Glücksmomente zu gestalten.

Dein To-do für die kommende Woche: Plane die nächste Party und stelle den Sekt kalt! Nutze die folgenden Tage, um Deinen nächsten Feieranlass festzulegen und die Einladung an Dein Team zu verschicken. Bejubele nicht jede Banalität, sondern feiere nachweislich gute Ergebnisse und aussergewöhnliche Leistungen mit Deinem Team, zum Beispiel …

  • wenn ihr ein Projekt zu Ende gebracht habt,
  • wenn ihr ein Quartal abgeschlossen habt,
  • wenn ihr einen Meilensteine erreicht habt.

So viel Zeit muss sein!

Ein schönes Wochenende und herzliche Grüsse
Dein Martin König

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Category:
  Führung