Grössere Teams = mehr Arbeit … Schön wärs!

Wow! Ich bekomme immer noch Gänsehaut, wenn ich an dieses Erlebnis denke. Meine 3 Teamkameraden und ich sind im Finale der Schweizer Meisterschaften! Wahnsinn! Wie berauscht treten wir vor 6 000 Zuschauern im Stadion an und wachsen über uns hinaus. Ich lerne, dass 1 + 1 nicht immer 2 ergibt. Diese Formel stimmt in der Mathematik, aber leider nicht im Teamwork. Im Teamwork gilt häufig: 1 + 1 < 2.
By Martin König 7 months ago

Lieber Leser

ja, das auf dem Bild bin wirklich ich!

Luzern 1995: Zusammen mit meinen drei Teamkameraden laufen wir die 4 x 100-Meter-Staffel so schnell, dass wir im Finale der Schweizer Meisterschaften stehen! Mein direkter Gegner ist der amtierende Schweizer Meister aus Genf. Ich hefte mich an seine Fersen, als wenn es um Leben und Tod geht. Keinen einzigen Meter lasse ich mir abknöpfen. Die Zeit stimmt, die Stimmung passt. Wir vergessen alles und wachsen über uns hinaus. Jeder von uns weiss: Wenn der Stab fällt, wenn ich auf meiner Teilstrecke nicht 100 Prozent gebe, bricht das Team zusammen.

Danke an dieser Stelle an meine drei Teamkameraden Andy, Kilchi und Dominik, die diesen Blog ebenfalls lesen. Das war ein grossartiger Moment mit euch! Wir alle wissen: Eine solche Leistung kannst Du nicht immer bringen.

Doch ich habe daraus gelernt: Kleine persönliche Teams performen immer besser als anonyme Grossgruppen. In unserer Mini-Gruppe konnte sich niemand drücken, und es kam auf jede einzelne Bestleistung an.

Erkenne den Effizienz-Irrtum

Vielleicht hast Du auch schon mal gehört, dass Teams effizienter arbeiten als Einzelpersonen. So lautet ein weit verbreitetes Credo. Doch das ist nicht immer der Fall. Oft schöpfen Teams und Mitarbeitergruppen ihr Leistungspotenzial nicht aus. Eine Ursache hierfür: Der Einzelne kann sich in der Gruppe verstecken – seine individuelle Leistung wird nicht wahrgenommen. Dieses Phänomen nennt man auch den Ringelmann-Effekt.

Die Ringelmann-Formel – Ringelmann untersuchte 1882 die Leistung von Pferden. Er fand heraus: Die Leistung zweier Pferde beim gemeinsamen Ziehen einer Kutsche ist nicht doppelt so hoch wie die eines einzelnen Pferdes. Er forschte weiter und fand heraus, dass seine Formel auch auf Menschen zutrifft.

Seine Erkenntnis – Zwei Personen erbringen nicht 2 x 100 Prozent, sondern nur etwa 2 x 93 Prozent Leistung; bei drei Personen sind es nur 3 x 85 Prozent und bei 8 Personen gar nur 8 x 49 Prozent! Das heisst: Acht Personen erbringen gemeinsam nicht einmal dieselbe Leistung wie vier einzelne Personen. Ringelmanns Erklärung:


Je grösser eine Gruppe ist, umso weniger wird die individuelle Leistung wahrgenommen.
Entsprechend sinkt der persönliche Einsatz.


“Social Loafing”,
 Ausruhen auf Kosten anderer – Richtig, Social Loafing ist in der Zwischenzeit ein Fachwort geworden. Wenn man sich auf die Leistung anderer Personen verlassen kann, ist die Versuchung gross, nicht mehr den vollen Einsatz zu bringen. In Grossgruppen entsteht schnell das Gefühl: “Meine Leistung ist irrelevant für den Erfolg.”

Der “Ringelmann-Effekt” ist Dein grösster Effizienz-Killer

Für Unternehmen ist der Ringelmann-Effekt einer der grössten Effizienz-Feinde und eine Schattenseite der Teamarbeit. Er belegt mit seiner Formel, dass ein Unternehmen mit 50.000 Mitarbeitern nur so effizient arbeitet wie 3.000 Einzelpersonen. Dazu müssen wir jedoch wissen, welche Faktoren zur Minderung der Leistung führen. Laut Ringelmann sind das

  1. das Bewusstsein, dass die eigene Leistung nur wenig zum Gesamterfolg beiträgt,
  2. die Tatsache, dass es (in) der Gruppe nicht auffällt, welchen Beitrag der Einzelne leistet, und
  3. die nicht vorhandene Wahrnehmung eines höheren Effekts, wenn man sich besonders anstrengt.

Dein Königs-Weg: Werde aktiv als Leader

So vermeidest Du den Ringelmann-Effekt in Deinem Aufgabenbereich:

  1. Stelle sicher, dass sich individuelle Leistung lohnt.
    Die Mitarbeiter müssen spüren, dass Chefs und Kollegen das persönliche Engagement registrieren.
  2. Schaffe eine „Erfolgs- und Leidensgemeinschaft“.
    Jedes Mitglied der Gruppe sollte das Gefühl haben, im selben Boot zu sitzen. Wenn unsere Leistung top ist, hat das für uns alle auch positive individuelle Konsequenzen (etwa in Form der Vergütung). Das Gleiche gilt für umgekehrten Fall.
  3. Rüttel die Mitarbeiter regelmässig auf.
    Bei Aufgaben, die dauerhaft oder langfristig ausgeübt werden, ist die Versuchung gross, sich zu “arrangieren“ und in lähmende Routinen zu verfallen. Starte deshalb immer wieder neue „aufrüttelnde“ Projekte und Initiativen, die deine Mitarbeiter motivieren, sich besonders anzustrengen, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen.
  4. Schaffe für das Team eine Vision, die die Mitarbeiter motiviert, ihre ganze Energie zu mobilisieren, egal wie das Umfeld aussieht.
  5. Halte die Teams klein und teile Gruppen, die zu gross werden.
    Der Ringelmann-Effekt belegt, dass kleine Teams verbindlicher sind und effizienter arbeiten als grosse.

Ich habe bei meinen Kunden tolle Erfahrungen mit den Daily Stand-Ups von Scrum in allen möglichen Branchen gemacht. Lade Dir dazu hier mein Arbeitsbuch runter. Wenn Du mehr darüber wissen willst und Dich das Thema Teamintelligenz interessiert, melde Dich bei mir via E-Mail!

Herzliche Grüsse
Dein
Martin König

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